KICK OFF

Liebe Leserin, lieber Leser,

herzlich Willkommen auf meinem Blog zur Vorbereitung der Jubiläumstournee „10 Jahre Hope Theatre Nairobi – 10 years for peace and equality“

Ich werde ab jetzt jedes Wochenende einen Beitrag posten – Erinnerungen an die gemeinsamen 10 Jahre, Überlegungen zum Thema „Afrika und Europa“, Stationen der Vorbereitungen zur Tournee, Einblicke in die Sorgen, Nöte, Freuden und Erfolge des Hope Theatre Nairobi, Kommentare zur Politik (aus Deutschland, Kenia, Österreich und Europa) im Zusammenhang mit der Frage, ob das Bedürfnis nach Frieden ein unrealistischer romantischer Kitsch einiger ewig Naiver ist oder das einzige Ziel für das sich Engagement und persönlicher Aufwand überhaupt lohnt.

Gemeinsam mit Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, möchte ich überlegen, was man tun kann, was man tun sollte und ob es noch sinnvoll ist, sich darüber Gedanken zu machen. Es wird eine politische und assoziative Seite werden, ein Tagebuch der Gedanken über das Menschsein in einer Welt der globalen Kommunikation ohne Dialog. Ob das Ergebnis kritisch, resignativ oder hoffnungsvoll sein wird kann ich jetzt noch nicht beantworten, da ich selber zwischen diesen Emotionen schwanke. Wenn ich die Zeitungsartikel der letzten Tage zusammenfasse ist der Ansatz eher resignativ, aber es kann sich ja noch vieles ändern…

Im Herbst 2015 begannen wir das Thema „Flucht“ zu bearbeiten, der konkrete Anlass war die Reise der Deutschen Bundeskanzlerin in die Türkei, um mit dem Autokraten Erdogan einen Deal auszuhandeln, in diesem Fall aber nicht über wirtschaftliche Zusammenarbeit sondern über das Ablagern von Menschen. Die Premiere des Stücks fand 2016 statt, in dem Jahr also, das als „Jahr ohne Sommer“ im Internet gefunden werden kann und als eine der größten Fluchtbewegungen des heutigen Baden-Württembergs in die Geschichte einging, über 4.5 Millionen Wirtschaftsflüchtlingen verließen in den darauffolgenden Jahren ihre süddeutsche Heimat.

2018 hatten wir mit unserer politischen Revue „Stop breathing, it can damage your health“ Premiere – das Stück von Natalia Roizzenzon-Sipple und Hannes Lauer thematisiert mit großer Sachkenntnis den Klimawandel – das Premierenjahr 2018 war auch das 50-jährige Jubiläum des Buches „Die Grenzen des Wachstums“ des Club of Rome. Dieses Wochenende konnte man wieder über Forstgebiete in Deutschland lesen, die wegen weiterer Braunkohlengewinnung gerodet werden sollen. Wie bei der Atomkraft versuchen Bürgerinnen und Bürger Einhalt zu gebieten, wie damals werden sie kriminalisiert, wie damals wird die Geldvermehrung für Konzernstrategen an oberster Stelle stehen.

Im Juli dieses Jahres hatte ich die ehrenvolle Aufgabe, das Stück „Allein unter Schwaben“ der Bestsellerautorin Elisabeth Kabatek im Theater der Altstatt in Stuttgart zu inszenieren. Das Stück handelt von einem Flüchtling, der versucht, in Stuttgart heimisch zu werden, der Deutsch lernt, fleißig ist, sich verliebt und zuletzt wieder nach Ghana zurückkehrt, da er hier keine Chance sieht, sein Leben zu ermöglicht. Ein komödiantisches und am Ende traurig realistisches Stück, fast durchgehend ausverkauft und hervorragend kritisiert. Den Flüchtling spielte Erick Fundi Marigu, ein Kenianer, der seit 2013 Mitglied des Hope Theatre Nairobi ist, mittlerweile in der Nähe von Stuttgart lebt, als Vater eines Kindes und nicht als Flüchtling, die Deutschkurse besucht und erfolgreich abgeschlossen hat und nun mit der Realität eines Lebens mit dunkler Haut in Deutschland konfrontiert wird. Sein Bild auf dem Jahresplakat des Theaters wurde mit schwarzem Spay übersprüht und somit aus dem deutschen Alltag entfernt. Dazu möchte ich auch auf den Blog von Elisabeth Kabatek verweisen (https://ekabatek.wordpress.com/2018/09/19/stuttgart-ist-nicht-chemnitz-aber/)

Dieses ereignisreiche Wochenende, in dem die Bundesregierung einen leitenden Beamten, der in die Kritik geraten ist, gleichzeitig entlassen und nicht entlassen möchte und mal wieder einen Deal erarbeitet, der an Absurdität und gesellschaftlicher Ignoranz kaum noch zu überbieten ist, war und ist der Kick Off für unsere Jubiläumstournee. Die Leiterinnen der NGO sind in Deutschland und hatten sowohl am Wirtschaftsgipfel Afrika des Wirtschaftsministeriums teilgenommen, als auch am Intensivseminar von Manager ohne Grenzen. Die Hope Art Theatre Nairobi NGO muss sich, da Förderungen in Deutschland absurderweise deswegen kaum möglich sein, weil wir alles so machen wie es von der Entwicklungszusammenarbeit eingefordert wird, in einer Weise organisieren, dass sie wirtschaftlich und unternehmerisch denken und handeln lernt, ihren Betrieb breiter auffächert und damit Einnahmen schafft, die das Theater selbst fördern können. Über den laufenden Fortgang der Gespräche der NOG-Leiterinnen mit ExpertInnen und KollegInnen werde ich ebenso berichten wie über den Verlauf der Buchungen, das Treffen mit unseren PartnerInnen von fairtrade Deutschland, der SEZ, dem Welthaus Stuttgart, dem Eine-Welt-Netzwerk Thüringen, kifafa, kikuna, den SchulleiterInnen im Heilbronner Land und so weiter…

Ich wünsche Ihnen viel Freude und inspirierende Minuten mit dem Tagebuch zum Jubiläum des Hope Theatre Nairobi – einer Gruppe aus den Armenvierteln einer ebenso großartigen wie problematischen afrikanischen Weltstadt.

Bis nächstes Wochenende grüße ich herzlich,

Stephan

 

Hope Theatre Nairobi Website:

http://www.hope-theatre.info

Spendenkonto:

Kenya Art Projects e.V.

IBAN: DE46 6005 0101 0001 1457 68   –   BIC : SOLADEST 600

VR Nr.  720953   –   Amtsgericht Stuttgart

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